Ärztemangel trotz steigender Beschäftigtenzahlen


In den letzten Jahren stiegen die Beschäftigungszahlen von Ärzten in Deutschland stetig an. Trotzdem kam es gleichzeitig zu einem immer stärker werdenden Ärztemangel. Wie ist dieser widersprüchliche Umstand zu erklären?


DarkoStojanovic @ pixabay.com - CC0 1.0
Die meisten Mediziner nehmen direkt nach ihrem erfolgreichen Studienabschluss eine Stelle als Weiterbildungsassistent wahr. Nachdem eine bestimmte Spezialisierung gewählt wurde, werden die Absolventen in einer Klinik oder einer Arztpraxis beschäftigt. Für viele Studenten gestaltet sich die Wahl der Spezialisierung schwierig. Deshalb verlassen sich die meisten auf Erfahrungen und Ratschläge von Freunden, Bekannten oder Dozenten. Häufig werden zudem Erfahrungsberichte im Internet zu Hilfe gezogen.

In den letzten Jahren stiegen die Beschäftigungszahlen von Ärzten in Deutschland stetig an. Im Jahr 2015 waren 189.622 Ärzte in Krankenhäusern beschäftigt und 150.106 Mediziner arbeiteten im ambulanten Bereich. Trotz der steigenden Beschäftigungszahlen kam es gleichzeitig zu einem immer stärker werdenden Ärztemangel. Wie ist dieser widersprüchliche Umstand zu erklären? Obwohl die Anzahl der Ärzte stetig anstieg, stieg ebenfalls der Bedarf an Medizinern aufgrund immer höher werdender Untersuchungszahlen. Da der Bedarf an Ärzten deutlich schneller anstieg als die Verfügbarkeit, kam es zu einem immer größer werdenden Ärztemangel. Aus diesem Grund verlangen medizinische Verbände und zahlreiche Hilfsorganisationen immer stärker nach mehr Investitionen und einer Förderung der Ausbildungsmöglichkeiten. Trotz dieser Forderungen werden lediglich 10.000 Studienplätze dieses Jahr für den Studiengang Medizin angeboten. Vor der Wiedervereinigung im Jahr 1990 konnten jährlich noch über 12.000 Menschen Humanmedizin studieren.

Prioritätenwandel unter den jungen Ärzten

Darüber hinaus zeichnet sich unter den aktuellen Medizinstudenten und jungen Ärzten ein neuer Trend ab. Ärzte haben bereits seit mehreren Jahrzehnten mit schwierigen Arbeitsbedingungen und einer zu hohen Patientenversorgung zu kämpfen. Diese Missstände wollen jüngere Mediziner nicht weiter hinnehmen. So lehnen viele junge Ärzte und Ärztinnen häufige Überstunden und regelmäßige extreme Arbeitszeiten kategorisch ab.

Die Arbeit eines Mediziners soll sich künftig mit einer Familie vereinbaren lassen. Deshalb wünschen sich vor allem Medizinstudenten und junge Fachärzte flexible oder zumindest geregelte Arbeitszeiten. Diese häufig als "Generation Y" bezeichneten Mediziner nehmen immer häufiger Teilzeitstellen an und verweigern eine Vollzeitbeschäftigung. Auch das Selbstbewusstsein der Ärzte nimmt von Jahr zu Jahr zu, sodass unbezahlte Überstunden schlicht verweigert werden.

Weiterhin nahm in den letzten Jahren der Anteil der Ärztinnen deutlich zu, wodurch gravierende Neuerungen bezüglich der Arbeitszeitmodelle notwendig werden. Berufstätige Ärztinnen wollen immer häufiger einen Kinderwunsch mit ihrem Beruf vereinbaren und verringern dadurch ihre Arbeitszeit.

Dieser steigende Bedarf an Ärzten führt gemeinsam mit der sinkenden Arbeitsbereitschaft der Ärzte zu der Entstehung zahlreicher Stellenbörsen für Ärzte im Internet. Diese ermöglichen es arbeitssuchenden Ärzten, angebotene Stellen nach Ort, Vergütung und Stellenbeschreibung zu vergleichen. Gleichzeitig können Krankenhäuser und Arztpraxen aktiv nach Medizinern suchen, um dem steigenden Bedarf gerecht zu werden. Die Ärztevermittlung führt deshalb nicht nur deutsche Ärzte mit Krankenhäusern und Praxen zusammen. Aufgrund der mangelnden Studienplätze kann der aktuelle Bedarf an Ärzten nicht ausschließlich von Inländern bedient werden. Immer mehr Einwanderer kommen nach Deutschland, um den riesigen Bedarf zu decken. Aktuell werden vor allem Mediziner aus Rumänien, Griechenland und Syrien nach Deutschland vermittelt. Insgesamt finden so jährlich mehr als 10.000 ausländische Fachärzte den Weg in unser Land.

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