Stammzellen: Was adulte und embryonale Stammzellen können


Biologisches Wunderwerk, ethischer Brennpunkt und die größte Hoffnung der Regenerativen Medizin: Die Stammzelle


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Die Stammzelle enthält den Bauplan für einen gesamten Organismus, sorgt für die Zellerneuerung und hat laut Forschung unbegrenztes medizinisches Potenzial. Aber welche Erfolge sind aktuell tatsächlich nachweisbar? Und was könnte die Zukunft bringen?

Bauplan der DNA: die Stammzelle

Ohne die Stammzelle gibt es kein Leben: Sie enthält die gesamten genetischen Informationen für den "Bau" eines Lebewesens und sorgt im erwachsenen Organismus dafür, dass sich die Zellen regelmäßig erneuern. Die Stammzellen sind dafür verantwortlich, dass unser Körper funktionsgestörtes oder verletztes Gewebe erneuern und sich bis zu einem gewissen Grad selbst heilen kann. Diese Regenerationskräfte nehmen mit den Jahren jedoch ab, da auch die Stammzellen dem normalen Alterungsprozess unterworfen sind. Die Medizin setzt an genau jener Stelle ein, an der die Selbstheilungskräfte des Körpers enden: Durch den Einsatz möglichst junger Stammzellen soll zukünftig zerstörtes Gewebe ersetzt und sogar Krebs geheilt werden.

Adulte und embryonale Stammzellen

Da das Potenzial der Stammzellen mit zunehmendem Alter weniger wird, sind besonders junge Stammzellen für die Forschung am interessantesten. Gegenwärtig arbeitet die Regenerative Medizin sowohl mit adulten als auch mit embryonalen Stammzellen. Letztere werden wenige Tage nach der Befruchtung der Eizelle aus dem Embryo gewonnen. Da sie der genuine Ursprung einer jeden Körperzelle sind, weisen sie das größte Entwicklungspotenzial auf. Da die Gewinnung embryonaler Stammzellen jedoch nur durch die Zerstörung des Embryos möglich ist, ist dieser Forschungszweig ethisch extrem umstritten und als Therapiemöglichkeit derzeit nicht zugelassen.

Als "adult" werden Stammzellen ab dem Moment der Geburt bezeichnet. Anders als embryonale Stammzellen, die sich theoretisch zu jedem Gewebetyp entwickeln lassen, sind adulte Stammzellen in ihrer Funktion bereits festgelegt. Das bedeutet, sie können nur zu jenen Gewebetypen entwickelt werden, aus denen sie gewonnen wurden (Haut, Blut u. Knochenmark). Eine Art Kompromiss zwischen den ethisch fragwürdigen embryonalen und den entwicklungsbeschränkten adulten Stammzellen sind Stammzellen aus Nabelschnurblut: Neonatale Stammzellen haben nur ein minimales Risiko für genetische Schädigungen und lassen sich noch zu einer Vielzahl von Zelltypen (z.B. Blut-, Muskel-, Knorpel- und Organzellen) differenzieren.

Stammzelltherapie: Erfolge und Perspektiven

Laut Experten ist das Potenzial der Stammzellenforschung unbegrenzt. Obgleich die konkreten Ergebnisse derzeit noch hinter den Erwartungen zurückbleiben, hat die Stammzellentherapie bzw. -transplantation bereits sehr gute Erfolge auf folgenden Gebieten vorzuweisen:
  • Behandlung kindlicher Hirntraumata
  • Leukämie und Lymphdrüsenkrebs bei Kindern (heilbar durch Stammzellentherapie)
  • Ersetzung zerstörten Gewebes durch Stammzellentransplantation(z.B. bei großflächigen Hautverbrennungen)
  • Koronare Herzkrankheit (Stärkung der Herzmuskulatur durch Injektion von Stammzellen)
  • Behandlung der altersbedingten Makuladegeneration
Für die nächsten Jahre erhofft sich die Forschung einen Durchbruch bei der Heilung von Autoimmunerkrankungen wie Morbus Lupus, Diabetes mellitus(Typ 1), Morbus Parkinson, Multipler Sklerose, sowie Lymphdrüsenkrebs und Leukämie bei Erwachsenen. Eine weitere Forschungsperspektive, die derzeit aber noch ganz am Anfang steht, ist der Einsatz von embryonalen Stammzellen gegen Gefäßerkrankungen wie Thrombose und Arteriosklerose.

Das Ziel entsprechender Studien ist es, Herzinfarkte oder auch Amputationen künftig vermeiden zu können, indem Menschen mit entsprechender genetischer Vorbelastung sog. "Endothelzellen" injiziert werden. Diese Zellen sind für die Spannung und Unversehrtheit der Blutgefäße verantwortlich und sollen Schädigungen, wie sie im Zuge von Thrombose und Arteriosklerose auftreten, entgegenwirken bzw. bis zu einem gewissen Grad rückgängig machen.
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